Gute Zukunftsaussichten im Jubiläumsjahr

Der Einrichtungsleiter Jens Binder-Frisch (links) und der Schulleiter Jörg Krull zeigen den Plan für den Neubau.
Der Einrichtungsleiter Jens Binder-Frisch (links) und der Schulleiter Jörg Krull zeigen den Plan für den Neubau.Foto: Ines Rude/l

Als „Ort für einen Neubeginn“ versteht sich die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Michaelshof bei Weilheim-Hepsisau. Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis 14 Jahren, die aus schwierigen Verhältnissen stammen und in ihrem Werdegang beeinträchtigt sind, sollen hier zur Ruhe kommen und Halt finden. Als gefestigte Persönlichkeiten sollen sie den Michaelshof wieder verlassen. Anspruchsvolle Aufgaben, denen sich 83 Beschäftigte Tag für Tag widmen, darunter 15 Lehrerinnen und Lehrer.

In den 75 Jahren ihres Bestehens hat die vom Verein Michaelshof Ziegelhütte getragene Einrichtung viele Veränderungen erfahren. Jetzt steht eine Art baulicher Neubeginn an: Das am Hang gelegene Schulgebäude wird um eine Etage aufgestockt. Dafür soll das nur noch eingeschränkt genutzte alte Fachwerkhaus abgerissen werden.

Der Abriss und der Neubau kosten insgesamt rund 2,3 Millionen Euro.

Wohngruppe und Unterrichtsräume in jeweils einem Gebäude – von diesem Konzept will man nun auf dem Michaelshof zumindest in Teilen abweichen. Denn es haben sich an einigen Stellen deutliche Defizite aufgetan, die mit dem Neubau behoben werden sollen. Man brauche nicht nur Klassenräume, sondern endlich auch ein angemessenes Lehrerzimmer, sagt Jens Binder-Frisch, der den Michaelshof seit 22 Jahren leitet. Bei Schulleiter Jörg Krull rennt er damit offene Türen ein.

Die pädagogischen Anforderungen hätten sich stark verändert. Die mit dem Neubau verbundenen Umstrukturierungen seien dringend notwendig. Die Schule bekommt nun endlich auch einen eigenen Computerraum. Dort sollen die Kinder und Jugendlichen lernen, wie man verantwortungsvoll mit den neuen Medien umgeht. Denn gerade das sei für viele Neuankömmlinge ein großes Problem. Viele seien mediengeschädigt, sagt der Schulleiter Jörg Krull.

Vom historischen Fachwerkhaus will man sich nun endgültig trennen. Bisher wurde das Gebäude nur noch in Teilen genutzt. Unter anderem sind dort die Küche und ein provisorisches Lehrerzimmer untergebracht. Eine Sanierung hätte sich nicht gerechnet, erklärt Binder-Frisch. Zumal man schon lange wisse, dass das Gebäude wegen eines instabilen Untergrunds jedes Jahr ein paar Millimeter hangabwärts rutsche.

Ein weiterer Vorteil des Abrisses: Der Michaelshof bekommt einen größeren Innenhof, der unter anderem für sportliche Zwecke genutzt werden kann. Aber zunächst soll nach den Worten von Einrichtungsleiter Jens Binder-Frisch der Neubau errichtet werden.

Für den Trägerverein Michaelshof Ziegelhütte bedeutet die Investition einen finanziellen Kraftakt. Die Schule wird zwar vom Regierungspräsidium finanziert. Aber in das Projekt fließen auch Rücklagen, die man in den vergangenen Jahren angespart hat. Das Bauvolumen beläuft sich auf rund 1,8 Millionen Euro. Hinzu kommt eine weitere halbe Million Euro für den Abriss des Fachwerkhauses.

Eine Besonderheit ist der Panoramasteg, der trotz der Aufstockung einen Blick ins Tal ermöglichen soll. Nach den Plänen des Weilheimer Architekten Andreas Schober wird auf dem Dach des Neubaus ein etwa zehn Meter breiter und 25 Meter langer Steg entstehen.

Keiner weiß, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird. Aber wenn es möglich ist, soll am 29. September, dem Michaelistag, das 75-jährige Bestehen des Trägervereins gefeiert werden. Unmittelbar danach könnten nach den Vorstellungen von Jens Binder-Frisch die Bauarbeiten starten. Mit der Fertigstellung des Anbaus rechnet er im Herbst/Winter 2022.

So soll das Schulgebäude aufgestockt werden.Visualisierung: Schober Architekten/
Geschichte und Konzept

Struktur Der Michaelshof in Hepsisau ist eine Einrichtung der Jugendhilfe im Landkreis Esslingen. Träger ist der Verein Michaelshof-Ziegelhütte. Er betreibt außerdem das Sonderpädagogische Bildungszentrum, die Ziegelhütte Ochsenwang, die vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betreut, sowie das Seminar am Michaelshof in Kirchheim, eine Fachschule für Jugend- und Heimerzieher.

Schule Die Schule für Erziehungshilfe am Michaelshof hat 48 Plätze für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren sowie vier Plätze für unbegleitete minderjährige Ausländer bis 18 Jahre mit Fluchterfahrung.

Konzept Grundlagen sind die anthroposophische und die Heilpädagogik. In Wohngruppen mit strukturiertem Tagesablauf sollen die Kinder und Jugendlichen im Michaelshof so viel Unterstützung erhalten, dass sie zu einer eigenständigen, eigenverantwortlich handelnden, vielseitig interessierten und gesellschaftsfähigen Persönlichkeit heranreifen und wieder in ihre Familien zurückkehren können.

Geschichte 1946 wurde der Michaelshof von dem Heilpädagogen Albrecht Strohschein gegründet. Bereits im Jahr 1937 wurde das Fachwerkhaus errichtet. Unter dem Namen Hanns-Ludin-Haus diente es zunächst als SA-Erholungsheim. Und es beherbergte eine öffentliche Gaststätte. Im Jahr 1946 mietete das Heil- und Erziehungsinstitut Eckwälden das Haus und erwarb es 1950 vom Land. hf