Sechs Gewinner – sechs Geschichten – sechsmal Lob

Hinter jedem Stuttgarter und jeder Stuttgarterin des Jahres steckt mindestens eine Geschichte, meistens sind es sogar mehrere. Wir stellen die Aktivitäten der stillen Helden an dieser Stelle jeweils mit einer Laudatio von einem der sechs Juroren kurz vor, bevor in den kommenden Tagen die ausführlichen Porträts folgen. Matthias Becker schlägt sich als Leiter der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit seinen Vierbeinern auf der Suche nach vermissten Personen so manche Nacht um die Ohren. Zudem fährt der Gärtnermeister im Winter zwischen 22 und 2 Uhr den Kältebus des DRK und bringt Wohnsitzlosen heißen Tee, Isomatten und Decken. Die frühere Direktorin des Württembergischen Landesmuseums, Cornelia Ewigleben, ist beeindruckt: „Matthias Becker und seine beiden Rettungshunde Lotte und Pakuna sind ein Superteam! Gemeinsam retten sie Leben und sind dafür Tag und Nacht einsatzbereit, sommers wie winters. Ein eingespieltes Team, das sich gegenseitig inspiriert. Lotte und Pakuna wollen arbeiten und sich beweisen, Matthias Becker will Positives tun. Unterstützt von seiner Frau Gisela und den Hunden: das ideale Zusammenspiel von Mensch und Tier.“

Katja und Andreas Werft sind die guten Geister des Ringervereins SG Weilimdorf. Dessen Förderverein für den Ringkampfsport wäre ohne das engagierte Ehepaar aufgeschmissen. Sie stemmen so ziemlich alles hinter den Kulissen, was den Ringern bei den vielen Festen im Stadtteil zu seinem guten Image verhilft. Sportdirektorin Kim Renkema weiß um die Bedeutung des Ehrenamtes im Sport: „Wer sich mit so viel Liebe und Passion für das Ringen einsetzt, hat den Preis mehr als verdient. Für die vielen Stunden, mit denen sich das Ehepaar schon seit Jahren für den Sport einsetzt – dafür gilt ein großes Lob. Die Ringer können sich glücklich schätzen mit zwei so engagierten Unterstützern.“ Gudrun Rohde hat eine späte und große Liebe für Afrika entdeckt. Sie baut gemeinsam mit Julius Ekwueme, dem Pfarrer in Oppenweiler, in dem nigerianischen Dorf Amanaogu ein Ausbildungszentrum für junge Menschen auf, die sonst keine Chance hätten. Juror Rainer Otto F. Scharr hat ein ganz persönliches Verhältnis zu diesem Projekt: „Ich wurde vor einigen Jahren darauf aufmerksam, da eines meiner Kinder an einem Spendenlauf ihres Vereins Amanaogu teilnahm. Hilfsgütertransporte, Patenschaften und der Bau eines Ausbildungszentrums – das alles treibt Frau Rhode seit sieben Jahren voran. Dadurch bietet sie den Menschen in Nigeria das Allerwichtigste: Hilfe vor Ort. Sie ist Vorbild für uns alle.

Walter Häbe ist in der Flüchtlingshilfe aktiv. Er hat viel Geld für einen Spielplatz gesammelt, arbeitet im Repair-Café und fährt Kinder und Senioren zu Terminen. Der Patron von Neugereut ist mit seinen 88 Jahren an vielen Stellen im Stadtteil präsent. Jurymitglied und Mitveranstalter des Ehrenamtspreises, Joachim Dorfs, würdigt sein unermüdliches Engagement: „Es gibt Leute, die sich für eine Sache ehrenamtlich engagieren. Und es gibt Menschen wie Walter Häbe, der sich rundum für andere einsetzt. So jemanden kann man als ‚gute Seele‘ bezeichnen. Das klingt zwar vielleicht ein bisschen altmodisch, aber so etwas kommt nie aus der Mode.“

Gudrun Kaper ist eine Vermittlerin zwischen den Kulturen. Sie erteilt unter andrem Deutschunterricht für Angehörige der US-Armee und weiß bei Problemen im Alltag meistens eine Lösung. „Ask Gudrun“ – frag Gudrun –, das ist bei den Beschäftigten in den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen ein geflügeltes Wort. Seit vielen Jahren ist die 75-Jährige bei den amerikanischen Armeeangehörigen sozusagen das Bindeglied zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland. „Frau Kaper ist eine der beeindruckendsten Brückenbauerinnen, die ich kenne. Unermüdlich und seit Jahrzehnten setzt sie sich für lebendige Beziehungen zwischen Amerikanern und Deutschen in Stuttgart ein“, sagt der evangelische Stadtdekan Søren Schwesig voller Bewunderung. Marcus Klein wird vom Vorstandsvorsitzenden der Stuttgarter Versicherung, Frank Karsten, für seinen Einsatz gewürdigt, bei dem Bedürftige im Mittelpunkt stehen. Seine Aktionen mit warmem Essen – mal festlich in der Alten Reithalle, mal rustikal in der Marienkirche – sind mittlerweile stadtbekannt: „Was Marcus Klein unter anderem mit dem ,Heißen Kessel‘ immer wieder auf die Beine stellt, ist wirklich außergewöhnlich. Vom Fest­essen über neue Kleidung bis hin zu kleinen Geschenken für die, die es sich sonst nicht leisten können: Mit seinem unermüdlichen Engagement gibt er der Stadt sehr viel zurück.“ Und Marcus Klein bringt so immer wieder die Augen jener Menschen zum Leuchten, die dies sonst im Alltag kaum oder nie genießen dürfen.