Modelabel Riani klagt in Mannheim

Mona (links) und Martina Buckenmaier mit der Herbst- und Winterkollektion
Mona (links) und Martina Buckenmaier mit der Herbst- und Winterkollektion Foto:Gottfried Stoppel/

Der 10. Februar hat bei Mona und Martina Buckenmaier das Fass zum Überlaufen gebracht. Die beiden Geschäftsführerinnen von Riani hatten sich am Tag des Bund-Länder-Treffens im Münchner Showroom des Modelabels mit verzweifelten Kunden getroffen, hatten mit diesen darauf gehofft, dass der Lockdown im Einzelhandel von Kanzlerin und Ministerpräsidenten bald beendet wird. „Als das nicht passiert ist, war ich total enttäuscht. Es wurde ja nicht mal eine Perspektive eröffnet“, erzählt Mona Buckenmaier.

So, jetzt reicht’s – das habe ihre Mutter angesichts der Beschlüsse gesagt: „Es ist mit dem Infektionsrisiko nicht erklärbar, warum diese Unterschiede zwischen körpernahen Betrieben wie Friseuren und dem Einzelhandel gemacht werden“, erzählt Martina Buckenmaier. Das solle bloß nicht als Angriff auf die Friseur-Geschäfte verstanden werden: „Wir lieben unseren Friseur“, sagt die 59-Jährige und lacht. Nein, ihr gehe es schlicht um eine Gleichbehandlung. Deswegen hat Riani am Mittwoch beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim Klage eingereicht . „Wir haben vielleicht keine große Chance, aber es gibt eine“, sagt Martina Buckenmaier, und ihre 30-jährige Tochter Mona ergänzt: „Es fühlt sich gut an, endlich etwas zu tun.“

Wir greifen auf Reserven zurück, die viele Jahre aufgebaut wurden.

Martina Buckenmaier, Geschäftsführerin von Riani, zur aktuellen Situation des Schorndorfer Modelabels

Nicht gerechnet hatten die beiden mit der enormen Anzahl an Modelabels und -häusern, die den Vorstoß unterstützen. An der Initiative „Handeln für den Handel. Für die Öffnung am 1. März“ beteiligen sich mittlerweile rund 150 Händler und Unternehmen der Modeindustrie aus ganz Deutschland. Große Marken sind genauso dabei wir kleine, feine Boutiquen. Gerry Weber, Marc Cain oder Bugatti, Olymp aus Bietigheim aber auch die Modehäuser Zinser und Reischmann. „Alle wollen die Ärmel hochkrempeln, wollen sicheres Einkaufen ermöglichen“, sagt Martina Buckenmaier und betont: „Wir wollen niemanden in Gefahr bringen, aber unser wirtschaftliches Überleben sichern.“

Die beiden Geschäftsführerinnen haben Test-, Hygiene- und Lüftungskonzepte im Sinn. Sie können sich zum Beispiel gut vorstellen, mit Terminvergaben zu arbeiten. Den allermeisten Händlern sei es lieber, einen Kunden pro Stunde zu bedienen als weiterhin geschlossen zu haben. „Warum nicht Läden nur montags bis freitags öffnen, um eine volle Innenstadt am Samstag zu vermeiden? Aber solche Ideen werden gar nicht in Betracht gezogen“, erläutert Mona Buckenmaier.

Auch das gut 40 Jahre alte Familienunternehmen in Schorndorf mit seinen rund 120 Mitarbeitern bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie mittlerweile schmerzhaft zu spüren. Vergangenes Jahr sei man mit einem Umsatzrückgang von zehn Prozent davon gekommen – auch weil man am Werbebudget gespart und Mitarbeiter nach der Probezeit nicht übernommen habe. „Wir greifen auf Reserven zurück, die viele Jahre aufgebaut wurden“, erzählt Martina Buckenmaier. Auf Eis liegen vorübergehend die Pläne für einen Erweiterungsbau : „Wir können nicht ins Blaue investieren.“

Bis Mitte Dezember habe sich Riani ganz gut berappelt, dann sei der zweite Lockdown als erneuter Schlag gekommen. Dieses Jahr rechnet das Modelabel, das in 32 Länder exportiert, sogar mit einem Umsatzrückgang von 40 Prozent. Im Showroom in Schorndorf hängt die Mode für den kommenden Herbst und Winter. Normalerweise wird die Kollektion in diesen Wochen von den Kunden bestellt. „Aber die Händler sind verängstigt, wissen nicht, wie sie hochrechnen sollen und bestellen mit Bedacht“, erzählt Martina Buckenmaier. Aber sollen sie dafür mehr Ware fürs Lager produzieren, damit die Regale nicht leer bleiben? „Das machen wir sonst nur in kleinem Umfang.“

Weil im Frühjahr Ware liegen blieb, die nicht ausgeliefert werden konnte, hat Riani vergangenes Jahr dreimal einen Lagerverkauf am Hauptsitz in Schorndorf organisiert. Mit telefonischer Anmeldung, vorgegebenen Zeitfenstern, nicht mal 20 Kunden auf 600 Quadratmetern, desinfizierten Wägelchen. „Das hat wunderbar geklappt und das werden wir sicherlich wieder machen“, sagt Mona Buckenmaier. Am liebsten sobald wie möglich.

Unterdessen hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Mittwoch angekündigt, dass Baden-Württembergs Einzelhandel schon vor dem offiziellen Ende des Lockdowns die Läden wieder öffnen kann, falls die Sieben-Tages-Inzidenz weiter so sinkt wie bisher.